HEIMWÄRTS
- im Wettlauf mit dem Winter -


Unsere letzte Nacht im Oman wollten wir am Strand in Dibba genießen, nördlich des Golden Tulip Hotels. Doch daraus wurde nichts. Am späten Nachmittag schaute immer mal wieder eine motorisierte Polizeistreife vorbei, ließ uns aber unbehelligt. Man war offensichtlich auf Camping-Touristen eingestellt. Für diese gab es dann auch Toiletten und eine Waschmöglichkeit. Wir rechneten damit, daß die wenigen am Strand geparkten Fahrzeuge mit Sonnenuntergang verschwinden würden und wir alleine und ungestört den Abend und die Nacht verbringen könnten. Aber weit gefehlt! Es kamen statt dessen immer mehr Fahrzeuge, meist SUVs aus Dubai, auch ganze Gruppen von Freunden, die sich bis spät nach Mitternacht einen Spaß daraus machten, mit gewaltigem Getöse ihrer PS-starken Boliden die steile Düne am Berghang hinauf zu düsen oder ihre schwächeren Kollegen in stundenlangen Bemühungen aus dem weichen Sand im Uferbereich zu ziehen. Damit hatten wir wahrlich nicht gerechnet! Uns blieb also nichts anderes übrig, als einen besseren Schlafplatz zu suchen, den wir auch bald fanden.

Damit war für uns die Tour durch die Arabische Halbinsel und speziell durch den Oman, zu Ende. Die Zivilisation mit ihren unangenehmen Seiten hatte uns wieder! Auf breiten Autobahnen ging es in die 'ärmlichen' Emirate Ras el Khaimah und Umm el Quwain, wo es uns jedoch nicht lange hielt. Es gab einfach nicht viel Interessantes zu sehen.

Von Sharjah aus wollten wir die Fähre nach Bandar Abbas nehmen. Der Ticket-Kauf war schnell erledigt und so blieb uns noch genügend Zeit zum Besuch der praktisch neu aufgebauten ehemaligen 'Altstadt' (Heritage Area), von Museen und riesigen Einkaufzentren. Das Stadtzentrum Sharjahs ist vollgestellt mit recht einfachen Hochhäusern, zwischen denen, abgesehen von den Hauptdurchgangsstraßen, der weithin ungeteerte Sandboden von beständig wehenden Winden aufgewirbelt wird und parkende Autos im Nu einstaubt.

Wir waren also nicht unfroh, wieder auf dem Schiff in den Iran zu sein, obwohl uns die Erinnerung an die schöne Zeit im Oman voller Wehmut nicht los ließ.

Wie zu erwarten, war das Wetter in Bandar Abbas äußerst angenehm, sonnig und warm. So konnten wir es kaum fassen, als man uns erzählte, nördlich von Isfahan müßten wir mit Eiseskälte und Schnee rechnen. Tatsächlich lagen die Morgentemperaturen knapp über Null Grad, in Tabriz allerdings schon bei -10 C. Von Schnee war weit und breit nichts zu sehen, ausgenommen die frisch eingezuckerten Bergzüge in den Weiten des persischen Hochlandes, die immerhin 3000-4000m Seehöhe erreichen. Wo immer sich uns die Möglichkeit bot, nutzten wir das Angebot von Wetteronline.de, um uns über die Prognosen für die kommenden 7 Tage zu informieren. Und wir wurden nicht enttäuscht: es sollte sonnig aber kühl bleiben.

Vor der Türkei-Etappe wollten wir uns noch einmal richtig verwöhnen. Und das ist in Tabriz voll gelungen! Von einem Taxi-Fahrer geleitet, ging es in das südöstlich des Zentrums in den Hügeln gelegene 5-Sterne El-Goli Pars Hotel (70 EUR).

Der Grenzübergang bei Bazargan war mühevoll, frustrierend und nervenaufreibend, weniger auf iranischer Seite, mehr auf türkischer. Die Abfertigung zog sich über viele Stunden hin, während denen wir uns bei eisigem Wind die Füße abfroren und darauf warteten, daß es weiter ginge. Erst spät am Nachmittag war es dann so weit. Nun hatten wir mit Nebel, feuchten, rutschigen Straßen und Dunkelheit zu kämpfen. In Dogubayazit, einem elenden Kaff, wollten wir nicht übernachten und fuhren lieber noch eineinhalb Stunden weiter durch die finstere Nacht bis ins menschenleere Agri, wo wir im dichten Nebel das einzig akzeptable Grand Hotel Cenas mit Mühe fanden.

Seit Tabriz war Schlafplatzsuche in der Natur nicht mehr machbar. In der Türkei auch deswegen nicht, weil Wiesen und Felder und die Wege dorthin schneebedeckt oder verschlammt waren. Die breiten Überlandstraßen hingegen waren geräumt und meist trocken. Man erwartete offensichtlich heftigen Scheefall. Immer wieder waren ganze Pulks von Schneeräumfahrzeugen geparkt am Straßenrand zu sehen, bereit, die Verbindungsstraßen frei zu räumen. Wir hatten Glück und kamen ungeschoren davon!

Die Hotelsituation in Erzurum ist für Autotouristen eine einzige Katastrophe. Der allergrößte Teil preislich akzeptabler Unterkünfte liegt im alten Stadtzentrum. Dort sind die Gassen eng und vollgeparkt. Nur mit viel Glück ist da ein Parkplatz zu bekommen. Wir fanden ein mieses Zimmer (35 EUR) und einen zufälligerweise freien Parkplatz beim Hekimoglu Hotel. Immerhin war das Essen geniesbar, wenn auch nicht gerade billig.

Der Winter hatte uns erwischt, auf den letzten Tagen unserer fast 5-monatigen Tour. Es war nun kalt, trüb und feucht, hin und wieder regnete es, aber: kein Schnee! Glücklicherweise sollte es so bleiben, bis wir zu Hause waren.

Zum Ausgleich für die generell schlechte Essenssituation auf unserer Reise hatten wir vor, dem sagenhaften Schnitzelwirt in Wien, Neubaugasse 52, wieder einen Besuch abzustatten und uns die Riesenschnitzel einzuverleiben. Um das zu bewerkstelligen, hatten wir extra über booking.com ein Zimmer im Austria Trend Hotel Messe Wien Prater reserviert. Einen privaten Parkplatz gab es keinen, in das nahegelegene Parkhaus kamen wir wegen 'Überhöhe' nicht herein und in der ganzen Umgebung waren Halteverbotsschilder aufgestellt. Was blieb uns also anderes übrig, als die Reservierung zu stornieren, auf den Besuch beim Schnitzelwirt diesmal zu verzichten und nach Hause zu fahren.

Kaum angekommen, wandelte sich der Dauerregen in dichten Schneefall. Am nächsten Morgen war der Toyota mit 30 cm Schnee bedeckt! Noch mal Glück gehabt!

Toyota mit AKU-Stiefel



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