Auf dem langen Weg in den Oman
- durch Belarus, Russland, Kasachstan und Turkmenistan -


Astrachan
die Kathedrale der Dreieinigkeit im Kremlbezirk Astrachans



Die ersten sechshundert Kilometer unserer mehrmonatigen Reise wurden wie immer routinemäßig abgespult. Umso mehr erstaunt waren wir, als sich an der slowakischen Grenze zu Polen hinter Trstena unerwartet ein spektakulärer Anblick bot: im Südosten glänzte die bereits schneebedeckte Gipfelkette der Hohen Tatra im blauen Herbsthimmel! Für lange Zeit sollten dies die letzten Berge geblieben sein...

Bis wir das Kopet-Dag Gebirge entlang der turkmenisch-iranischen Grenze erreichen sollten, standen uns noch mehr als 6000 Kilometer durch abwechslungsreiches Flachland bevor. Bunt gefärbte Wälder in Belarus und Russland, weite, abgeerntnete Felder, feuchte Wiesen und karge Steppen in Kasachstan und Turkmenistan. Ideale Landschaften zum Suchen und Finden von Übernachtungsplätzen.

achtung Radioaktivitaet!

Die Magistrale M10 von Brest nach Gomel führt durch weite Landstriche, die durch die Havarie des Atomkraftwerks Tschernobyl verstrahlt wurden. Alle 5 Kilomter weisen unübersehbare Warntafeln Pilzsucher auf die Gefahr des Betretens der Wälder hin. Besser man sucht sich woanders einen Platz zum Übernachten!

Waldcamp in Russland

Nach ungehindertem, freien Passieren der Grenze Belarus-Russland bot sich dann dieser schöne Platz im Wald, etwas abseits der Durchgangsstrasse an. Obwohl gerade erst der Oktober begonen hatte, zeigte unser Thermometer am Morgen doch schon -4 C an!

Don-Faehre bei Sirotinskaja

Auf guten Strassen bei mäßigem Verkehr und schönem Herbstwetter kamen wir gut voran. Bei Sirotinskaja machten wir einen kleinen Ausflug in die Hügel am westlichen Ufer des Dons, der hier noch ein sehr bescheidenes Flüßchen ist. Zum ersten Mal sahen wir diese Art der Fähre, nämlich ein Ponton, das von einem seitlich befestigten Boot über den Fluß geschoben wird. Die Fähre zur Qeshm Insel im Persischen Golf bedient sich der gleichen Methode, allerdings in weitaus größerem Maßstab.

kalmykisches Mahnmal

Die riesen Stadt Wolgograd zieht sich 30 Kilometer den Fluß entlang. Leider gibt es (noch?) keine Umfahrung, so daß sich der dichte Verkehr durch die Millionenstadt hindurch zwängen muß. Wir hatten nicht vor, hier ein paar Tage zu verbringen, da wir die Stadt schon von früheren Besuchen her kannten. Dafür stand die Hauptstadt der Autonomen Republik Kalmükien, Elista, auf dem Programm. Die 300 Kilometer lange Fahrt nach Elista führt durch trockenes Steppenland, das ein wenig an die Weiten der mongolischen Steppe erinnert. Es ist also nicht verwunderlich, daß sich ein Stamm der mongolischen Horden vor etlichen hundert Jahren in diesen Gegenden niedergelassen hatte. Was es mit diesem Denkmal mitten in der Steppe auf sich hat, konnte nicht geklärt werden.

buddhistischer Tempel in Elista

Das Schicksal des kleinen Volkes erwies sich im Laufe der Geschichte als sehr wechselhaft. Und erst zu Zeiten der Perestroika wurde der erste Präsident dieser Republik gewählt. Das Stadtbild Elistas mit seinen etwa 100.000 Einwohnern ist noch immer recht bescheiden, aber nicht zu vergleichen mit jenen Zeiten vor sechzig Jahren, als die Stadt noch ein erbärmliches Kaff war, wie es auf Photos dokumentiert ist, die am Hauptplatz ausgestellt sind. Eine anscheinend wichtige Rolle im Leben der Kalmüken spielt der Buddhismus, was den Dalai Lama bewogen haben mag, der buddhistischen Gemeinde einige Besuche abzustatten.

Holzhaus in Astrachan

Wir tätigten noch einen kleinen Einkauf in dem zentralen Warenhaus, das seinen Ursprung in kommunistischen Zeiten nicht verleugnen konnte und machten uns schnell wieder auf den Weg nach Astrachan, eine Stadt, die wir bei einem früheren Besuch zu schätzen gelernt hatten. Ihre Geschichte geht immerhin fast 1500 Jahre zurück, während der die verschiedensten Völkerschaften kamen und wieder verschwanden. Vor 500 Jahren errichteten die Russen eine Stadt aus Holzhäusern. Dieses hier abgebildete dürfte neueren Datums sein.

Kremlmauer Astrachan

Trotzdem Astrachan zu den ärmsten Städten Russlands gehören soll, ist es ermutigend zu sehen, mit welcher Professionalität und Hingabe die historischen Kirchen und Gebäude renoviert werden. Wie in jeder russischen Stadt werden auch hier die Parkanlagen liebevoll gepflegt und von den Menschen dankbar angenommen. Was Astrachan anderen Städten Russlands voraus hat, das ist die kilometerlange Wolga-Corniche mit dem Azimut-Hotel und ihren beliebten Ausflugslokalen, deren Besuch wir uns natürlich nicht haben entgehen lassen.

Renaissance Hotel Atyrau

Von Astrachan ist es nicht mehr allzuweit bis zur ersten größeren Stadt in Kasachstan, Atyrau. Atyrau ist geographisch zweigeteilt. Ein Stadtteil liegt noch in Europa, der andere, getrennt durch den Ural-Fluss, bereits in Asien. Die Weite der kasachischen Steppe gibt der Stadt ihr Gesicht. Im Zentrum herrscht Leere. Riesige Plätze mit vereinzelten Hochhäusern, deren Zahl wohl kräftig zunehmen dürfte. Das Renaissance Hotel, gleich neben der neuen Moschee, war eine der ersten Luxusherbergen. Inzwischen sind noch einige andere hinzugekommen. Wir stiegen ab im versteckt im Grünen liegenden Hotel Victoria Palace für 70 EURO. Ein Schnäppchenpreis!

Hafenmeisterei Baotino

Nachdem wir auf früheren Reisen durch Kasachstan schon viele Landesteile zumindest flüchtig kennengelernt hatten, wollten wir diesmal die Mangistau-Region um Aktau am Kaspischen Meer erkunden. Die Teerstraße von Beyneu über Shetpe und Jetibay nach Aktau steht schon kurz vor Fertigstellung. Der knochenbrechenden Rüttelei auf der ehedem breiten Wellblechpiste mußten wir uns glücklicherweise also nicht mehr aussetzen. Bei Shetpe bogen wir von der E121 nach Westen ab, um auf einer schnellen Kiesstrasse durch die Mangyshlak Halbinsel zum ehemalig russischen Hafen Fort Shevchenko und weiter zum Nachbarort Baotino zu fahren. Die alte russische Substanz ist noch sehr schön erhalten und wird liebevoll gepflegt. Im Bild oben sieht man das Haus der Hafenmeisterei aus der Jahrhundertwende.

Aktau ist eine eher unsympathische Großstadt sowjetischen Stils, die aber einen großen Vorteil hat: die gut sortierten Hypermarkets mit vielen bekannten Lebensmittelprodukten aus der EU. Die nächste Etappe führte zum elenden Erdölort Shanaozen mit seinem riesigen Förderfeld, eng bestückt mit uralt Förderpumpen, eine neben der anderen, allesamt in einem Sumpf von Öl und Sand versinkend. Trotzdem, wir mußten da durch, denn unser Ziel waren die unterirdischen Moscheen von Beket-Ata (Oglandy), auf halber Höhe eines steil abfallenden Plateaurandes in den Fels gehauen. Auf dem mühsamen Weg hinunter zu den Höhlen trifft man nicht nur auf diese steinernen Tiere, es gibt sie dort auch lebendig und frei lebend.

Beket-Ata

Turkmenistan war das nächste Ziel. Von Tenge aus folgt man einer zunächst durchaus passablen Teerstraße nach Süden. Doch ziemlich genau 40 km vor der Grenze wandelt sie sich in eine tief zerfurchte, rutschige Erdpiste, die wir nur im Schrittempo bewältigen konnten, angesicht dessen, was wir neun Jahre zuvor schon einmal in der Steppe Kasachstans bei Yirghis erleiden mußten. Es war uns unbegreiflich, wie die großen Sattelzüge, die hier unterwegs waren, problemlos durchkamen.

E121 vor Garabogaz

Und so sah die Piste in Turkmenistan ab der Grenze in Richtung Süd aus! Genau wie in Kasachstan und genauso 40 km lang!

Schlammstrecke auf E121

Kurz vor Bekdash erreicht man ein schmales Betonsträßchen, es tauchen graue Industrieruinen auf. Bekdash ist heute eigentlich ein toter Ort aus vergangenen Zeiten. Das einzig lebende, das uns begegnete, war ein griesgrämiger Polizist, der unsere Passdaten notierte und einen mürrischen Blick ins Wageninnere warf. Nach Studium unserer Route auf Google Earth waren wir auf die folgenden achtzig Kilometer besonders gespannt. Sollte es möglich sein, auf dem extrem schmalen Landstreifen, der das Kaspische Meer vom Garabogaz-See (eher einem kleinen Binnenmeer) trennt, einen Punkt zu finden, von dem aus beide Gewässer gleichzeitig zu sehen wären? Nein, selbst an der schmalsten Stelle war dies leider nicht möglich.

Industrieruinen in Bekdash

Mit Erreichen Turkmenbashis änderte sich vieles. Es gab gute neue Strassen, sogar eine Autobahn nach Ashgabat war im Bau, und das Warenabgebot in freundlichen, modernen Läden war beeindruckend. Nur übertroffen vom Dayhan Bazary, dem Obst- und Gemüsemarkt mit wahrhaft zentralasiatischen Dimensionen.

Turkmenbashi Obstbasar

Je mehr wir uns Ashgabat näherten, umso dichter wurde der Verkehr, vor allem der Baustellenverkehr mit schweren LKW. Parkplätze in der City zu finden war ziemlich aussichtslos, da die Alleen und Boulevards, durch die wir fuhren, allesamt mit Halteverbotsschildern versehen waren. Selbst an den Hotels im Zentrum, wo wir uns vergeblich nach einem Zimmer erkundigten, war alles belegt. Wie die Zimmer auch, die an Teilnehmer einer großen internationalen Konferenz vergeben waren. Wir erinnerten uns an eine ganze Reihe von Hotels an der südlichen Stadtausfahrt und hofften, dort unterzukommen. Diese zu finden erwies sich als ziemlich mühsam, da seit unseren letzten Besuchen Ashgabats das Hotelviertel von einer Unzahl Hochhäuser eingekreist und somit versteckt war. Schließlich hatte es doch geklappt: Hotel Arkac, 40 EUR ohne Frühstück (3752.926'N 5821.949'E).

Universität Ashgabat

Unser Transitvisum erlaubte einen Aufenthalt von 5 Tagen im Land. Wir waren ganz gut vorangekommen und konnten uns also die Zeit nehmen, in der Stadt zu flanieren. Ausgangspunkt unserer Erkundungstour war das türkische YIMPAS-Einkaufszentrum (3754.904'N 5822.833'E), das über genügend Parkplätze verfügt. Das Warenangebot war überwältigend und durchaus den vermuteten Einkommen des dort anzutreffenden Käuferpublikums angemessen. Entlang der breiten blitzsauberen Boulevards ein Regierungsgebäude nach dem anderen. Viele davon schienen leerzustehen. Überall sehr gepflegte Grünflächen und ausgedehnte Parks, in denen sich die Mütter Ashgabats mit ihren Kindern tummelten. Die mathematisch-naturwissenschftliche Fakultät der Universität Ashgabat war festlich geschmückt und erlaubte uns ungehinderten Eintritt (siehe oben).

Haus in Ashgabat

Nach einem verheerenden Erdbeben vor über 50 Jahren wurde Ashgabat völlig neu aufgebaut. Mit der Unabhängigkeit Anfang der 90er-Jahre und dem überbordendem Reichtum dank der Gas- und Ölvorkommen, wurde die moderne Stadtentwicklung in atemberaubenden Maßstab vorangetrieben. Herzstück der Stadtplaner und Architekten ist das Regierungsviertel mit dem Präsidentenpalast(siehe unten). Damit auch niemand vergißt, wem das alles zu verdanken ist, sind auf zentralen Plätzen und verstreut an wichtigen Punkten in der Stadt vergoldete Statuen des ersten Präsidenten in allen Größen aufgestellt. Bei all der Bauwut, es wurde nicht vergessen, auch erhaltenswerte Objekte der Sowjetzeit herzurichten (siehe oben).

Prasidentenpalast Ashgabat

Die Ausfahrt Richtung iranische Grenze ist leicht zu finden. Eine moderne Landstraße windet sich hinauf ins Kopet-Dag-Gebirge, wo oben am Pass der Grenzkomplex mit turkmenischer und iranischer Abfertigung errichtet wurde. Auf beiden Seiten der Grenze war die Abfertigung absolut professionell, freundlich und zügig!


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